BESUCHERUMFRAGE






Dem Konzertbesucher zugehört (1.3MB) Besucherstudie der roc berlin

 

Einblicke in die „Seele der Konzertbesucher“
roc berlin profitiert von Besucher- und Abonnentenbefragung


Zusammen mit dem Berliner Institut für Kultur-Markt-Forschung (IKMF) haben die vier Ensembles der roc berlin von Oktober 2005 bis Januar 2006 umfangreiche Publikumsbefragungen vorgenommen. Bei diesem Ensemble-übergreifenden Projekt gaben in einer repräsentativen Besucherbefragung bei 13 Veranstaltungen mit rund 20.000 Gästen 3923 Besucher auf Fragebögen Auskunft über ihr Verhalten und ihre Zufriedenheit als Konzertbesucher sowie ihre Erwartungen an die Ensembles.

Die gesamte Studie

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81,0 % der Konzertbesucher haben ihren Wohnort in Berlin, 8,4 % im Umland (Radius ca. 40 km ab Stadtgrenze), und 10,7 % sind deutschsprachige Touristen. Bei der Zusammensetzung des Berliner Publikums, der eher geringen Besucherüberschneidungen innerhalb der roc berlin, und auch der Bindung der Besucher an „ihr“ Ensemble wird deutlich, dass die einzelnen Klangkörper unterschiedlich positioniert sind – jedes Ensemble hat sein spezifisches Publikum. Das gilt insbesondere auch für die Orchester.

Der Konzertbesucher ist im Mittel 53,6 Jahre alt, bis 55-Jährige sind im Publikum mit einem Anteil von 46,4% vertreten. Die Ensembles streben aufgrund dieser Ergebnisse an, das Gleichgewicht einer generationenübergreifenden Publikumsstruktur zu optimieren. Für eine nachhaltige Besucherentwicklung werden sie deshalb in den nächsten Jahren verstärkt Ausbildungsangebote für Kinder und Jugendliche, Angebote für Familien, Angebote für junge Erwachsene und Studenten, aber zum Beispiel auch für Berufstätige entwickeln.

Der hohe Anteil an Weiterempfehlung ist ein erster Indikator für die hohe Zufriedenheit der roc-Besucher: Über vier Fünftel (82,7 %) der Besucher machen aktiv als Multiplikatoren häufig oder gelegentlich in ihrem Bekannten- und Freundeskreis Werbung für die Konzerte der roc-Ensembles.

Es besteht eine hohe Kundenzufriedenheit insgesamt und im Detail: als Gesamtnote auf einer Schulnotenskala (1-6) vergeben 57,6 % der Befragten die Note sehr gut, 38,2 % gut und 3,3 % befriedigend. Schlechtere Noten treten kaum auf (1,0 %). Auch der Mittelwert von 1,48 beschreibt die hohe Zufriedenheit der Besucher insgesamt, die für alle vier Ensembles zutrifft. Im Detail ist die Zufriedenheit mit dem Kernprodukt ebenfalls hoch ausgeprägt – Orches-ter/Chor, Programm, Dirigent und Solisten erhalten bei mindestens 90 % der Antwortenden gute und sehr gute Bewertungen, und Unzufriedenheit (Noten 4-6) tritt ebenfalls kaum auf. Bei den nachgelagerten Service-Aspekten (z.B. Information, Kartenvertrieb) gibt es nur zwei wirkliche Problemzonen: mit der Gastronomie zeigen sich 13,3 % unzufrieden (7,7 % absolut), die Parkmöglichkeiten kritisieren 33,9 % (21,0 % absolut). Offensichtlich erfüllen also die roc-Ensembles die Besuchererwartungen in Bezug auf Qualität von Ensemble und Programmgestaltung, aber auch Service bereits in hohem Maße.

Als ein Zeichen für Zuneigung und Wertschätzung ist zu sehen, dass die Besucher bei der Frage nach möglichen Zusatzangeboten einen intensiveren Kontakt zu den Ensembles wünschen: 24,8% möchten Begegnungen mit Dirigenten und Musikern, 30,0% Proben und Studioaufnahmen besuchen und 7,7% sogar an Konzertreisen teilnehmen. Auch an einer inhaltlichen Vertiefung in Form von Konzerteinführungen (13,9%) oder Seminaren (9,8%) be-steht Interesse. Außerdem interessieren sich die Besucher für besondere Programmformate wie Nachmittagskonzerte am Wochenende (34,7%) oder Angebote für Familien/Kinder (15,2%).

Die roc-Ensembles haben sich für die kommende Spielzeit vorgenommen, den einzelnen Zielgruppen noch passgenauere Informations-, Service- und Programmangebote zu machen. Erste publikumswirksame Maßnahmen wurden bereits eingeleitet, wie z.B. längere Öffnungszeiten des Besucherservice (9-18 Uhr), umfangreichere Aboserien, mehr Familienkonzerte sowie Schnupperabos und eine Ausdehnung des Abo-Plus-Rabatts auf alle roc-Ensembles.

Zusätzlich wurden in einer repräsentativen telefonischen Abonnentenbefragung 426 Abonnenten insgesamt rund 180 Stunden interviewt. Diese Egebnisse geben auf quantitativ abgesicherter Basis deutschlandweit einmalig „Einblicke in die Abonnentenseele“, wie es Gerlinde Bendzuck, Geschäftsfüh-rerin des IKMF, formuliert. Das heißt, hier kann man sehen, welche vielfältigen Faktoren einen Abonnenten an „sein“ Ensemble binden und wie wichtig diese Motive im Verhältnis zueinander sind.

Sehr wichtig sind natürlich die primären Motive (Qualität von Chor/Orchester, Chefdirigent, Gastdirigenten und Solisten sowie Programmgestaltung), in denen jeweils mindestens 84% ein Abomotiv sehen. Darüber hinaus sind auch generelle Abomotive wichtig, wie z. B. Bequemlichkeit (nicht um Einzelkarten kümmern 94,4 %, reservierte Plätze 87,6 %, Entscheidungshilfe im großen Angebot 77,9 %), (selbst)verpflichtende/bindende Eigenschaften eines Abopakets (unbekanntere Werke entdecken 77,0 %, ohne Abo seltener ins Konzert 80,5 % und als Abonnent dem Ensemble stärker verbunden 72,1 %) oder der ermäßigte Preis (82,2 %).

Wichtiger noch scheinen uns die folgenden „weichen Faktoren“ (Auswahl): Gut drei Viertel (77,5 %) freuen sich einige Tage im Voraus auf die roc-Konzerte und über 85 % bestätigen, dass roc-Konzerte einen positiven Nachklang haben und dass sie inhaltlich nachbereitet werden (Kritiken lesen, Gespräche über das Gehörte). Somit wirken roc-Konzerte als „Leuchttürme“ über das konkrete Konzert hinaus und werten den Alltag der rund 6600 roc-Abonnenten im Voraus und im Nachhinein auf. Die roc-Ensembles bewirken mit ihren Konzerten also eine Art der emotionalen Wertschöpfung, deren Nachhaltigkeit sich auf ein Vielfaches der 90 im Konzert erlebten Minuten erstreckt.

Auch in der Vorbereitung zeigt sich die Nachhaltigkeit und Bedeutung der roc-Konzerte: Die Besucher gehen nicht einfach ins Konzert und lassen sich 90 Minuten berieseln, sondern investieren Zeit und Energie, um sich dem angestrebten Konzerterlebnis vertiefend zu nähern. 53,5 % der Abonnenten bereiten sich inhaltlich vor. Rund ein Viertel besucht Einführungsveranstaltungen. Darüber hinaus werden die Konzerte auch von 84,6 % der Abonnenten inhaltlich nachbereitet (s. o.). Insofern bewirken die roc-Konzerte bei den Abonnenten auch eine inhaltliche Wertschöpfung.

Besucher- wie Abonnentenbefragung zeigen, dass alle vier roc-Ensembles gut aufgestellt und an die Bedürfnisse der bestehenden Besucher angepasst sind. Das ist unter anderem an der hohen Zufriedenheit mit den Kerndienstleistungen im Bereich von Ensemblequalität und Programmgestaltung abzulesen sowie teilweise auch mit den nachgelagerten Serviceleistungen. Insgesamt tragen die Daten dieser Erhebungen dazu bei, dass die vier roc-Ensembles ihr Informations-, Service- und Programmangebot in den nächsten Jahren weiter optimieren können. Als programmatisch und inhaltlich gut positionierte Klangkörper werden sie weiterhin einen substanziellen Beitrag zum vielfältigen Berliner Kulturangebot leisten – für die Besucher aus Gesamtberlin und aus dem Umland und auch für die Touristen.